Unser Projektvorschlag zielt auf den Transfer und die Optimierung bestehender Ausbildungsmodule für jugendliche Schausteller.
Transfer bestehender Ausbildungsmodule nach Frankreich und UK
Zentrales Anliegen des Projektes ist der Transfer der bestehenden Lern- und Ausbildungsmodule.
In ganz Europa fehlt es an zielgruppengerechter beruflicher Ausbildung für reisende Jugendliche. Hierzu beigetragen hat sicherlich der Umstand, dass Ausbildungssysteme eher für sesshafte Personen konzipiert sind und nicht für Personen, deren Arbeitsumfeld viele Reisen bedingen. Auch wurden in der Vergangenheit die beruflich Reisenden nicht als klar abgegrenzte Gruppe mit spezifischen Bedürfnissen angesehen, die zwar gesetzliche Pflichten beachtende, aber flexible Ausbildungsstrategien benötigen, deren Schwerpunkt mehr auf der Sicherung von Ausbildungsergebnissen liegen anstatt auf kontinuierlichem Schulbesuch.
Deutschland verfügt traditionell über ein ausgeprägtes duales berufliches Ausbildungssystem. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in Deutschland dem Thema beruflicher Bildung für reisende Jugendliche schon seit längerem Beachtung geschenkt wird und sich hier Initiativen entwickelt haben, die u.a. das Ausbildungskonzept für Schausteller "Bekosch" am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Herne sowie das eLearning-Angebot eLvet fördern. Dieses Konzept wird in Deutschland inzwischen an zwei weiteren Standorten in Nidda/Hessen und Neumünster/Schleswig-Holstein umgesetzt. Dieses bewährte, in sich geschlossene und von den Jugendlichen akzeptierte und nachgefragte Blended-Learning-Konzept mit bereits vorliegenden Modulen für den Präsenz- und dem Fernlernunterricht bietet sich auch auch als Einstieg für europaweite Lösungen an, so dass es im Rahmen von ETTE durch die beteiligten Bildungseinrichtungen in den Partnerländern eingeführt werden soll. Die beteiligten europäischen Schaustellerverbände (ESU) und Interessenvereinigungen (ENTE) sollen europaweit für weitere Akzeptanz in der interessierten Öffentlichkeit werben. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die bisher vorliegenden kaufmännischen Module der Präsenzkurse strukturiert nach dem EQR aufzuarbeiten, um die Vergleichbarkeit sowie die Zusammenarbeit zwischen den Ländern und Einrichtungen zu ermöglichen. Eine solche Anpassung und Verbesserung der Strukturierung von notwendigen Kompetenzen entspricht auch dem Wunsch der Schaustellerverbände, die hierdurch weitere Ausbildungsmöglichkeiten und neue Lernwege für den Berufsnachwuchs erschließen wollen.
Verbesserung der bestehenden Ausbildungsmodule auf der Basis des EQR
Bei Gesprächen mit der Academie Amiens (der staatlichen Schulaufsicht des Partners Lycee Professionnel Peltier) konnten wir neben dem Interesse für dieses Konzept auch ein generelles Interesse an dem deutschen dualen Ausbildungssystem erkennen. Ähnlich ist die Interessenlage beim Partner Royal Forest of Dean College. Aktuell bieten beide Bildungseinrichtungen bereits vollzeitliche Ausbildungsgänge mit Betriebspraktika an. Beide Länder haben ebenfalls eine lange Schausteller- und Volksfesttradition und sehen daher den Bedarf für eine verstärkte berufliche Ausbildung des Betriebsnachwuchses. Die gemeinsame Anpassung und Verbesserung der bestehenden Lerneinheiten aus unterschiedlichen Blickwinkeln wird bei den deutschen Ansätzen zu Weiterentwicklungen führen, so dass sich die Chance bietet, die hohen deutschen Qualitätsstandards in der Ausbildung in ein europäisches Ausbildungskonzept zu integrieren.
ETTE strebt darüber hinaus die Verzahnung zwischen der Anpassung und Verbesserung bestehender Ausbildungsmodule und eventuell noch zu erarbeitenden Ausbildungsinhalten zum Berufsbild "Schausteller" auf der Basis des Europäischen Qualifizierungsrahmen (EQR) an. Hierbei soll unter Einbezug von Schaustellern und deren Verbandsvertretern die Gesamtheit der Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen, die zur Ausübung des Schaustellerberufes nötig sind, zusammengestellt und praxisgerecht in Lerneinheiten eingeteilt werden. Anschließend werden die Lerneinheiten nach vorher festgelegten Kriterien bewertet und entsprechend Punkte bzw. Prozentzahlen vergeben. Um zu einer gemeinsamen Zertifizierung der erbrachten Leistungen zu gelangen, sollen zudem vergleichbare Prüfungs- und Bewertungskriterien für die Lerneinheiten festgelegt werden. Die Lerneinheiten sollen als in sich geschlossene Module konzipiert und können unabhängig voneinander belegt und bewertet werden.
Ein solcher Qualifikationsrahmen ermöglicht nicht nur die Abbildung und Entwicklung eines Ausbildungsrahmenplanes nach dem deutschen Berufsbildungsgesetz für einen Ausbildungsberuf "Schausteller" nach dem dualen Berufsbildungssystem, sondern wird entsprechend den individuellen Berufsbildungssystemen in den anderen europäischen Ländern zudem Abschlüsse für andere, kleinere und überschaubare Einheiten von Lernergebnissen und schulischen Ausbildungsgängen den Weg ebnen. So bietet der Partner Lycee Professionnel J.C.Peltier aus Ham/Frankreich dreijährige schulische Ausbildungsgänge an, die in einem ergänzenden System aus schulischem Unterricht und betrieblichen Praktika zu einem beruflichen Abschluss als "Kaufmännischer Assistent" führen. Auf diesem organisatorischen Gerüst wäre z. B. auch der Abschluss als "Kaufmännischer Assistent Schausteller" darstellbar.



